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AKTUELLE KAMPAGNE

Innocence in Danger: Millionenspritze für Gamesindustrie in digitalen Kinderschutz investieren

Mit einer neuen Kampagne zeigt Innocence in Danger, wie riskant die Chatfunktion von Online- und App-Games für Kinder werden kann. Täter und Täterinnen tarnen sich als Mitspieler – um sich im Chat Zugriff auf ihre Opfer zu verschaffen.

 

Der Kinderschutzverein „Innocence in Danger“ fordert – angesichts der bevorstehenden 200-Millionen-Euro-Subventionen für die Games-Industrie – auch in dringend notwendigen digitalen Kinderschutz zu investieren. „Das Milliarden-Business Gaming hält bisher keine Standards beim Schutz von minderjährigen und jugendlichen Online-Spielern ein“, sagte Innocence in Danger Vorstand Julia von Weiler. „Wer Steuergelder in Höhe von 50 Millionen jährlich bekommt, darf sich nicht weiter aus seiner Verantwortung stehlen.“

 

Bei Kindern und Jugendlichen stehen vor Weihnachten wieder PC-Spiele und Konsolen ganz oben auf dem Wunschzettel. Dabei ist jedoch große Vorsicht geboten. Denn diese Fiktion ist längst Realität: Während die Eltern nichtsahnend im Wohnzimmer sitzen, wird das Kind in seinem Zimmer unbemerkt über den Bildschirm sexuell missbraucht.

 

Mit einer neuen Kampagne zeigt Innocence, dass Online- und App-Games für Kinder und Jugendliche zum riskantesten Bereich des Internets gehören. Dafür ist u.a. die unkontrollierte Chatfunktion der Spiele verantwortlich. Täter und Täterinnen tarnen sich als Mitspieler – um sich im Chat Zugriff auf ihre Opfer zu verschaffen. Kinder treffen dort auf Erwachsene, ohne dies erkennen zu können.

 

Das von der Berliner Werbe- und Digitalagentur glow communication konzipierte Motiv adaptiert die Bildwelt des beliebten FIFA-Videospiels. Es zeigt, wie einfach Tarnung im Internet funktioniert. Selbst echte Angreifer, also Missbraucher, fallen nicht auf. Sie verstecken sich hinter vertrauten Avataren und lustigen Nicknames. „Für Pädokriminelle sind Online-Games geradezu ein paradiesischer Ort“, sagt die Psychologin Julia von Weiler. „Kein Täter muss mehr über die Türschwelle, er groomt Kinder durchs Smartphone.“

 

Die Gamesindustrie wird ab 2020 von der Bundesregierung jährlich mit 50 Millionen Euro subventioniert. Innocence in Danger e.V. fordert die Regierung und auch den Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs auf, dafür zu sorgen, dass diese Förderung der Sicherheit in den Games und Chats zugute kommt: der Zugang zu den Spielen für Kinder muss effektiv alterskontrolliert werden. Und die Firmen müssen von ihren Millionen-Umsätzen ausreichend viele und vor allem gut ausgebildete (Krisen-) Moderatorinnen und Moderatoren finanzieren.

 

98 Prozent der von Livestream-Missbrauch betroffenen Kinder sind jünger als 13 Jahre. Im Chat von Spielen wie FIFA, Animal Crossing oder Fortnite können Täter und Täterinnen über das Spiel sprechen, sie fragen nach Hobbys, Sorgen und Nöten. Dabei entstehen emotionale Beziehungen, die leicht ausbeutbar sind – etwa durch Erpressung. Stiftung Warentest und jugendschutz.net haben kürzlich in einem Test gezeigt, dass keines der Spiele den Sicherheitsstandards für Kinder und Jugendliche im Netz gerecht wird.

„Das technische Online-Verständnis der Jungen und Mädchen täuscht eine Mündigkeit vor, über die Kinder nicht verfügen“, erklärt Julia von Weiler. Politik und Internetanbieter müssten in die Pflicht genommen werden „Es wird Zeit, dass die Game-Anbieter etwas dazu beitragen, Kindern eine sichere Umgebung in der digitalen Welt zu ermöglichen.“

 

Einige Tipps für Eltern:

  • Beschäftigen Sie sich mit dem Spiel, bevor Sie es kaufen. Fragen Sie oder schauen Sie sich „Let’s Plays“ zu dem Spiel im Internet an.
  • Hilfreiche Informationen finden Sie auch beim www.spieleratgeber-nrw.de
  • Spielen Sie zunächst gemeinsam und begleiten Sie Ihr Kind dann beim weiteren Spielen.
  • Stellen Sie Regeln auf, z. B. was Ihr Kind tut, wenn ihm etwas unangenehm ist.
  • Bleiben Sie am Ball.

 

Das Kampagnenmotiv von Innocence in Danger bringt neben dem Vorgehen der Täter und Täterinnen eine weitere schwer zu akzeptierende Wahrheit auf den Punkt: Echte „Angreifer“ sehen nicht aus wie Angreifer. Nur wer das versteht, kann dazu beitragen, Kinder in der digitalen Welt bestmöglich vor sexuellem Missbrauch zu schützen.

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