mit Jugendlichen gegen die Verbreitung von (sexualisierter) Gewalt via Internet, Handy, iPod und Co.
Gefördert von Aktion Mensch; unterstützt durch die Auerbach Stiftung, Motorola und Sprachlabor (Laufzeit: Januar 2008 bis Dezember 2010)
Die inhaltliche Arbeit der 60 Jugendlichen (aus Gymnasium, Hauptschule und Föderschule für Kommunikation und Hören) in den Workshops bezog sich auf eine Vielzahl von Themen. Zunächst war es Anliegen, die Gewohnheiten der Jugendlichen kennenzulernen und ihre positiven wie auch negativen Erfahrungen mit den digitalen Medien zu erfahren. Dabei wurden bereits Unterschiede deutlich. Während die Schüler der Hauptschule und der Förderschule - egal in welcher Alterstufe - bereits über eigene nicht nur schöne Erfahrungen sprechen konnten, berichteten die Gymnasiasten eher vom „Hören - Sagen“ solch negativer Erlebnisse. So hörten wir schon jetzt von diversen pornografischen Seiten, Anmache in Chats, Verliebtheiten in den Sphären des Internets, etc.
Wir erfuhren auch, dass mit Ausnahme der unter 12jährigen Jugendlichen alle bei SchülerVZ angemeldet waren. Demnach ging es darum, praktisch zu erleben, wie viele Informationen in einem Profil einer solchen Social-Network-Site preisgegeben werden und wie wichtig es ist, sich genau zu überlegen, welche Photographien man in einem solchen Profil veröffentlichen kann.
Auch problematische Chatsituationen wurden von den Jugendlichen thematisiert. So berichtete ein sonst eher robustes, lautstarkes Mädchen leise und zögernd und etwas verschämt von einem netten „Chattalk“ mit einem vermeintlich gleichaltrigen Jungen, der sich dann als ein älterer Mann herausstellte und sich auch noch via Webcam vor ihr entblößte.
Solche Beispiele aus der eigenen Peer-Gruppe verdeutlichen den Mädchen und Jungen eindrücklich, wie sehr die durch den Computer geschaffene Distanz es gestattet, sehr leicht Lügen zu verbreiten und gleichzeitig eine vermeintliche Intimität schafft, die den User auf der anderen Seite verletzlich macht.
Im Internet gilt nur das geschriebene Wort und die Intonation der Stimme wie auch Körpersprache fehlen, um die eigentliche Bedeutung zu entschlüsseln. So zeigte sich warum und vor allem wie schnell es zu Missverständnissen kommen kann – eben schneller als im persönlichen direkten Kontakt mit Freundinnen und Freunden.
Absolute Höhepunkte des Jahres bildeten zwei „Kreativwochenenden.“ Ziel der Wochenenden war es, alle Smart-User der drei teilnehmenden Schulen zusammenzuführen und gemeinsam an Songs, Filmen und Hörspielen zum Thema zu arbeiten. Vor dem ersten Kreativwochenende zeigte sich, dass es für alle eine große Herausforderung bedeutete, mit den Jugendlichen der anderen Schulen zusammen zu treffen.
Die „Gymnasiasten“ wollten ihre Handys zu Hause lassen, damit sie nicht geklaut würden, die „Hauptschüler“ äußerten sich kampfbereit: „Die kriegen alle auf die Fresse“ und die Schüler der Gerricus Schule hatten grundsätzliche Ängste vor den Hörenden. Außerdem fanden die ältern Jugendlichen – egal welche – es ‚unmöglich’, dass die Jüngeren auch dabei sein sollen.
Der Möglichkeit einer gewünschten produktiven Zusammenarbeit von Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren aus drei Schulformen – Gymnasium, Hauptschule und Förderschule -, darunter einige mit dem Handicap der Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit, über ein ganzes Wochenende - außerhalb von (regulierender) Schule und Elternhaus, wurde auch seitens der teilnehmenden Schulen mit großer Skepsis begegnet.
Das erste Kreativwochenende im März 2009 war ein so fulminanter Erfolg, dass alle Beteiligten sich gerne für das zweite Wochenende im November anmeldeten. Insgesamt nahmen jeweils 43 der 64 Jugendlichen an den Wochenenden teil. Die Crew setzte sich aus Gebärdendolmetschern, der HipHop Band Sprachlabor, Schauspielerinnen und Schauspielern, Regisseurinnen und Regisseuren und weiteren Helfern zusammen.
Es war beeindruckend, wie diese so unterschiedlichen Jugendlichen miteinander in Kontakt kamen. Am ersten Wochenende gab es bereits am Samstag keine Grüppchenbildung mehr und alle begannen sich in Gebärdensprache auszuprobieren. Am zweiten Wochenende wurde deutlich wie sehr die Jugendlichen sich aufeinander und auf die Arbeit freuten. Sie zeigten gerne ihr Können, identifizierten sich mit den Aufgaben und erlebten sich selber als einen wichtigen Teil eines größeren Ganzen. Sie arbeiteten hart und diszipliniert. Auch das Zusammensein funktionierte ohne Aufstellen expliziter Regeln durch das gemeinsame Tun und nicht zuletzt auch, weil alle Erwachsene den Jugendlichen zugewandt, herzlich und selbstverständlich gegenübergetreten sind.
Eine begleitende Mutter drückte es so aus: „Ich bin ganz glücklich weil ich sehe, dass jedes Kind oder jeder Jugendliche für sich eine Wandlung vollzogen hat. Und weil man auch sieht, dass es wirklich ein sehr empathisches Miteinander ist... Und das spricht man der Jugend heute ja teilweise ab, ... Und das bestätigte sich in keinster Weise... Ich glaube, dass das allen sehr gut getan hat.“
An diesen beiden Wochenenden wurden insgesamt fünf Kurzfilme gedreht, ein Song und ein dazugehöriger Videoclip produziert. Am Ende fuhren alle Teilnehmer glücklich, zufrieden und erschöpft wieder nach Hause.
Während der nächsten Workshops bestätigten sie, wie schön sie das Wochenende erlebt hatten und wie sehr sie sich eine dritte Fortsetzung wünschten.
Es ist uns ein großes Anliegen, die Erfahrungen mit dem Smart User Konzept zu verbreiten und viele Nachahmer zu finden. So präsentierten wir „Smart User“ z.B. gemeinsam mit einigen Jugendlichen auf dem Weltkindertag am 20. September 2009. Die Videos und das Engagement der Jugendlichen sorgten für viel Aufsehen.
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Presse: Christine Bücken
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