Für Eltern

Tipps für Eltern von Vorschulkindern

  • Lassen Sie Ihre Kinder maximal 70 Minuten in der Woche das Tablet / Smart-Phone oder den Computer benutzen. Bieten Sie Ihren Kindern Alternativen an wie zum Beispiel Bewegung / Gesellschaftsspiele / Bücher / Spielzeug etc.
  • Lassen Sie Ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt digitale Geräte benutzen.
  • Es ist sinnvoll digitale Geräte offline zu schalten, bevor Kinder sie benutzen.
  • Üben Sie mit Ihren Kindern, dass sie immer sofort ihre Eltern holen wenn sich etwas öffnet was sie nicht kennen oder ekelig finden.
  • Kinder brauchen klare Grenzen von ihren Eltern. Kinder können Grenzen nicht alleine finden.
  • Schenken Sie Ihren Kindern volle Aufmerksamkeit. Legen Sie also ganz bewusst selber so oft wie möglich das eigene Gerät zur Seite.
  • Spielen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind und dem Gerät, z.B. mit den Foto- und Video-Funktionen (Grimassen schneiden, kleine Filme drehen, …)
  • Erklären Sie Ihren Kindern den Unterschied zwischen Inhalten – also Filmen oder Sendungen – und Werbung (auch im Fernsehen).

 

Eine Liste mit guten Links finden Sie hier.

Ratgeber

Den Ratgeber von Innocence in Danger e.V. über die wichtigsten Grundlagen zum Kinderschutz im Zeitalter von Internet, Smartphones, Sexting und Cybermobbing finden Sie zum Herunterladen hier (PDF 8,5MB).

Ab welchem Alter sollten Kinder das Internet alleine nutzen dürfen?

Kinder interessieren sich zusehends früher für das Internet, schlicht weil sie von so vielen Erwachsenen und älteren Jugendlichen umgeben sind, die das Internet nutzen. Also gilt es, das Internet gemeinsam mit ihnen zu entdecken. Sie bei ihren ersten Schritten dicht zu begleiten und ihnen langsam aber sicher immer mehr beizubringen.

 

Je älter sie werden, desto mehr gilt es auszuhandeln, welche Seiten sie besuchen, welche nicht, wie lange sie vor dem Computer sitzen dürfen, mit was sie sich beschäftigen und mit wem sie sich online anfreunden. Es ist mit der Verkehrserziehung zu vergleichen. Zunächst mal lernen wir Fahrrad zu fahren, fahren mit Stützrädern, dann mit Hilfe der Eltern immer besser alleine auf zwei Rädern, dann werden wir in den Verkehr begleitet, wir lernen die Regeln und sind dabei immer noch in Begleitung der Eltern.

 

Je besser und intensiver diese Begleitung ist, desto sicherer können sich die Kinder bewegen – auch im Netz. Das bedeutet auch, dass Eltern sich mit dem Internet auseinandersetzen müssen. Und sie müssen sich Zeit für die Kinder nehmen. Der Computer und das Internet sind KEIN guter Babysitter.

Was können Eltern tun, um ihre Kinder zu schützen?

Sie müssen ihre Kinder aufklären, genauso wie sie ihnen die Verkehrsregeln beibringen. Zunächst ist es wichtig, dass Kinder ganz selbstverständlich alle ihre Körperteile benennen können. Dazu gehören auch Penis, Vagina (oder Scheide) und Brust oder Po.

 

Meistens geben wir uns dem (Irr-)Glauben hin, sexuelle Gewalt an Kindern finde immer nur woanders statt. Leider sieht die Realität ganz anders aus. 80–90% aller Fälle finden im sozialen Umfeld des Kindes statt – und zu diesem Umfeld gehört mittlerweile auch das Soziale Netzwerk bzw. der Chatroom. Und hier haben Täter oder Täterinnen direkten Zugriff auf ein Kind.

 

Gerade deshalb ist es so wichtig, Kinder auf positive Art aufzuklären. Kinder und Jugendliche müssen eine Sprache an die Hand bekommen, die es ihnen erlaubt, das manchmal unaussprechlich scheinende auszusprechen. Vage Umschreibungen sind leider nicht besonders hilfreich und führen eher zu Verwirrung und noch mehr Scham.

 

Kinder müssen wissen, dass es in Ordnung ist, darüber zu sprechen, dass Erwachsene von solchen Problemen wissen und dass sie einem Kind helfen, wenn es sich ihnen anvertraut. Wichtig ist, zu wissen wo und wie man Hilfe bekommt, wenn die Vermutung besteht, dass ein Kind sexuell missbraucht wird: Das Hilfeportal Sexueller Missbrauch hilft in solchen Fällen: www.hilfeportal-missbrauch.de.

 

Eltern sollten generell achtsam sein, nicht überängstlich, sondern achtsam. Sich interessieren, mit wem ihr Kind unterwegs ist (auch online) und nachfragen, wenn sie das Gefühl haben, etwas stimmt nicht.


Wie spreche ich mit meinem Kind über sexuelle Gewalt?

Meistens geben wir uns dem (Irr-)Glauben hin, sexuelle Gewalt an Kindern finde immer nur woanders statt oder wird nur vom „fremden, bösen, schwarzen Mann“ verübt. Leider sieht die Realität ganz anders aus. 80 – 90% aller Fälle finden im sozialen Nahfeld des Kindes statt. Gerade deshalb ist es so wichtig, Kinder auf positive Art aufzuklären. Kinder und Jugendliche müssen eine Sprache an die Hand bekommen, die es ihnen erlaubt, auch schwierige Dinge zu benennen.. Vage Umschreibungen sind nicht besonders hilfreich und führen eher zu Verwirrung und noch mehr Scham.

 

Hier finden Sie einige Beispiele, die Sie als Richtschnur für eine solche Unterhaltung mit Ihrem Kind, Ihrem Enkelkind, Ihrer Schülerin oder Ihrem Schüler nutzen können:

 

  • Du darfst immer erzählen, wenn jemand Dir wehgetan hat oder Deine Gefühle verletzt hat. Es tut sehr gut, mit einem Erwachsenen dem Du vertraust, darüber zu sprechen. Auch wenn Du Dich vielleicht schämst oder Angst hast, probier es aus. Meistens geht es Dir danach doch besser.
  • Niemand darf Dir mit Worten oder Schlägen wehtun oder Angst machen!
  • Es gibt Erwachsene oder ältere Jugendliche die wollen, dass Kinder ihren Penis oder ihre Vagina anschauen oder anfassen. Es ist ihnen egal, dass Mädchen und Jungen sich dabei ganz schlimm fühlen. Oft sagen sie, dass es ein Geheimnis ist und vielleicht schlimme Dinge passieren, wenn es erzählt wird. Das stimmt nicht! So etwas darf jedes Mädchen und jeder Junge IMMER erzählen!
  • Du darfst alles tun, um Dich zu schützen! Du darfst NEIN sagen, Schreien, Hauen, Weglaufen, Weitersagen, … also alles was Dir einfällt ist erlaubt!
  • Kein Mensch darf Dich gegen Deinen Willen anfassen oder gar küssen!
  • Es ist gar nicht immer so einfach, sich selbst zu schützen. Wenn es nicht geht, ist das nicht Deine Schuld! Es ist wichtig für Dich, jemanden zu finden, dem Du davon erzählen kannst: Deine Eltern, Großeltern, Paten, Freundinnen und Freunde, Lehrer, … such Dir jemanden, dem Du vertraust und der Dir helfen kann! Sei mutig und sprich sie an!
  • Sollte Dir nicht geglaubt werden, gib bitte nicht auf! Du wirst sicher jemanden finden, der Dir zuhört und hilft.

 

So oder ähnlich können Sie mit Kindern über mögliche Gefahren sprechen. Damit geben Sie zu verstehen,dass es in Ordnung ist, darüber zu sprechen, dass Sie von solchen Problemen wissen und dass Sie einem Kind helfen würden, wenn es sich Ihnen anvertraut.

Außerdem zeigen Sie, dass niemand vor Scham im Boden versinken muss, sondern darüber tatsächlich gesprochen werden kann.

Wichtig ist für Sie dann, zu wissen wo und wie Sie Hilfe bekommen können, wenn Sie die Vermutung haben, ein Kind wird sexuell missbraucht:

 

Das Hilfportal Sexueller Missbrauch hilft Ihnen in solchen Fällen. Es ist kostenfrei und anonym unter 0800 22 55 530 oder www.hilfeportal-missbrauch.de erreichbar!


Missbrauch ist eine Beziehungstat

25% der weiblichen Opfer und 20% Jungen werden innerfamilial missbraucht,  50% der Mädchen und 60% der Jungen werden von Menschen aus ihrem sozialen Nahraum missbraucht (Bekannte, Verwandte – und u.a. Menschen, die sie online kennenlernen).
20% der Täter sind fremde Personen, häufig in Form von Exhibitionisten. Vergewaltigungen durch Fremde Personen sind eher selten.

 

Täter und Täterinnen kommen aus allen Schichten und Konfessionen, allen Altergruppen und Berufsgruppen. Sie sind geschieden, verheiratet, Single, mit oder ohne Partnerin/ Partner, sie sind in der Gesellschaft engagiert oder auch nicht (Bange, 2010).

Täterstrategien

Auswahl der Opfer

Bei sexuellem Missbrauch handelt es sich um geplante Taten. Menschen, die Kinder missbrauchen, überlegen im Vorfeld genau, welche Mädchen und Jungen “leichte Opfer” sind. Sie suchen bewusst nach Kindern, zu denen sie einfach Kontakt aufnehmen können, die sich z.B. oft alleine fühlen, die nicht genügend anerkannt werden, die in einer schwierigen Elternbeziehung leben. Täter bzw. Täterinnen bevorzugen z.B. Mädchen, die gelernt haben, immer lieb, brav und vernünftig sein zu müssen, und Jungen, denen vermittelt wurde, dass “Indianer keinen Schmerz kennen”.

 

Kontaktaufnahme

Eine Strategie von Tätern oder Täterinnen ist es, gezielt kindgerechte Orte aufzusuchen, z.B. Schwimmbäder, Freizeitparks, um dort Kontakt zu Kindern aufzunehmen. Eine weitere Möglichkeit, „geeignete” Opfer zu finden, bieten z.B. Sportvereine oder andere Bereiche, in denen Kinder und Jugendliche ihre Freizeit verbringen. Neben ehrenamtlicher Tätigkeit suchen sich Täter und Täterinnen bewusst Berufsfelder, in denen sie mit Kindern zu tun haben: in der Schule, im Kindergarten oder im Sportverein.

 

Einige Täter halten bewusst Ausschau nach allein erziehenden Müttern, um sich über die Beziehung zur Mutter die Möglichkeit zu verschaffen, später ihre Kinder missbrauchen zu können.

 

Die digitalen Medien und Internet bieten darüber hinaus beste Gelegenheiten unmittelbar mit Mädchen und Jungen in Kontakt zu treten.

 

“Testrituale”

Nachdem der Täter bzw. die Täterin zu einem Kind bzw. Jugendlichen Kontakt aufgenommen hat, vertieft er oder sie die Beziehung nach und nach. Dabei lässt er oder sie sich meistens Zeit, denn Ziel ist es, das Kind in eine emotionale Beziehung zu verstricken, die dem Kind wichtig ist.

 

Täter und Täterinnen “studieren” Mädchen und Jungen, ihre Vorlieben, Abneigungen, lernen ihre Nöte und heimlichen Wünsche kennen. Gleichzeitig üben sie immer wieder – nur schwer erkennbare – sexuelle Grenzüberschreitungen (“Testrituale”) aus. In der Umkleidekabine berührt ein Trainer wie zufällig die Scheide oder den Penis des Kindes. Scheinbar zufällig liegen in der Wohnung des Opas Zeitschriften mit pornographischen Abbildungen herum. Ein Lehrer äußert sexistische “Qualitätsurteile” über die Entwicklung seiner Schülerin, eine Nachbarin gibt vor, das Kind aufklären zu wollen oder tarnt Übergriffe als Körperpflege (“Lass mich mal gucken, ob du auch richtig abgetrocknet bist.”). Im Chat werden ganz nebenbei sexuelle Themen angesprochen.

 

Täter und Täterinnen achten genau darauf, wie ihre potenziellen Opfer auf diese “Testrituale” reagieren. Empören sich Kinder oder Jugendliche, setzen sie sich zur Wehr oder klicken sie den Täter einfach weg, kommen sie als Opfer eher nicht in Frage. Die Täter und Täterinnen lassen meist von ihnen ab. Sie haben zwar Zeit und Mühe investiert, aber die Möglichkeit einer Entdeckung ist groß. Reagiert ein Mädchen oder ein Junge auf die “Testrituale” eher schüchtern oder versucht sie zu ignorieren, ist das ein Signal für den Täter, die Beziehung zum Opfer weiter zu intensivieren.

 

Die Wahrnehmung der Umwelt vernebeln

Täter und Täterinnen gehen davon aus, dass Eltern für Kinder die erste Adresse sind, wenn es darum geht, sich Hilfe zu holen. Darum ist es für sie wichtig, einen guten Eindruck zu hinterlassen, um Verdachtsmomente gar nicht erst aufkommen zu lassen. Aus Berechnung nehmen sie Kontakt zu den Eltern der Kinder auf oder vertiefen diesen.

 

Sie zeigen sich z.B. als hilfsbereiter Nachbar, der mit der Übernahme von Reparaturarbeiten, Babysitterdiensten oder Gewährung von Krediten einspringt. Auch bieten einige sich an, Fahrdienste zur Schule oder zum Einkaufen zu übernehmen, um Eltern zu entlasten. Ebenso festigen Geschenke an die Eltern oder das Herstellen günstiger Beziehungen das Bild eines netten Mannes ohne Fehl und Tadel. Täter bzw. Täterinnen, die beruflich mit Kindern arbeiten, haben oft den Ruf des engagierten Kinderfreundes, der sich für Rechte und Belange von Mädchen und Jungen einsetzt und brauchen sich bei den Eltern oftmals noch nicht einmal einzuschmeicheln.

 

Haben sich Täter oder Täterinnen einen guten Ruf erarbeitet, so haben sie ein Teilziel erreicht: Für das Kind ist es fast unmöglich, sich den Eltern oder anderen Bezugspersonen anzuvertrauen, da es davon ausgeht, dass der erwachsenen, angesehenen Person mehr geglaubt wird als ihm selbst.

 

Die Manipulation des Opfers

Täter und Täterinnen intensivieren nun die Beziehung zu ihren Opfern. Sie steigern z.B. ihre emotionale Zuwendung, beschenken Mädchen und Jungen, geben ihnen das Gefühl, wichtig und etwas ganz Besonderes zu sein. Kinder genießen in der Regel diese spezielle Zuwendung, Anerkennung und Beachtung. Und genau dies setzen Täter bzw. Täterinnen ein, um ihre Opfer immer mehr in eine scheinbar unauflösbare Beziehung zu verstricken.

 

Täter und Täterinnen sind Meister darin, eine für das Kind/Jugendlichen wichtige Bindung herzustellen. Gleichzeitig steigern sie die sexuellen Übergriffe. Häufig wird die sexuelle Ausbeutung in der Anfangsphase als Pflegeverhalten oder Spiel getarnt. Täter und Täterinnen tun oft so, als ob sexuelle Übergriffe Ausdruck von Zuneigung und Zärtlichkeit, von Sorge um die körperliche Entwicklung des Kindes oder von Aufklärung wären. Häufig betten sie die sexuelle Ausbeutung in “Alltagshandlungen” ein.

 

Den Widerstand des Opfers ignorieren

Kinder merken, wenn irgendetwas im Spiel “komisch” oder eigenartig ist. Doch Täter bzw. Täterinnen nutzen ihre erwachsene Überlegenheit aus, um ihren Opfern zu versichern, dass alles in Ordnung und normal ist. Mädchen und Jungen spüren sehr deutlich den Unterschied zwischen zärtlicher Zuwendung und sexuellen Grenzverletzungen. Sie möchten aber die Zuwendung nicht verlieren und haben Schwierigkeiten, sich offensiv zur Wehr zu setzen. Z.B. kichern sie ein verlegendes “Nein”, machen ihren Körper steif, drehen den Kopf weg. Diese Signale werden von Tätern bzw. Täterinnen zwar erkannt, aber ignoriert und übergangen.

 

Redeverbot

Täter und Täterinnen erklären die sich steigernden sexuellen Missbrauchshandlungen zum gemeinsamen “kleinen Geheimnis” und reden damit Mädchen und Jungen eine aktive Beteiligung ein. Z.B. müssen Kinder mit einem “großen Indianerehrenwort” schwören, über die gemeinsamen “Spielereien” zu schweigen. Kleine Kinder “verplappern” zwar meist zunächst das Erlebnis, doch ihre Umwelt nimmt das scheinbar Unglaubliche nicht ernst oder wahr. Nach einer Weile beugen sich die Opfer meist dem Schweigegebot, sie schämen sich und spüren, dass es “besser” ist, den Mund zu halten.

 

Opfer zum Schweigen bringen

Wenn der Widerstand von Mädchen und Jungen zunimmt, setzen Täter bzw. Täterinnen oftmals massivere Mittel ein, um das Opfer zum Schweigen zu bringen. Dabei verfügen sie über eine große Palette von “Argumenten”, in der das Einreden einer aktiven Beteiligung des Opfers, Liebesbeteuerungen, das Erregen von Mitleid, Drohungen, Erpressungen bis hin zu schlagender Gewalt enthalten sind. Zumeist wird dem Opfer erst sein “eigenes” Verhalten vor Augen geführt: “Du hast ja mitgemacht”, “Dir hat es ja auch Spaß gemacht.”, “Hättest du nur deutlich NEIN gesagt, ich hätte sofort aufgehört.“ Eine andere Variante ist: “Wenn die anderen wüssten, was du hier mit mir gemacht hast…!” Oder: “Ich tue das doch nur, weil ich dich so unendlich liebe.”

 

Oft droht ein Täter oder eine Täterin: “Wenn du darüber redest, wird deine Mama krank …, glaubt Dir sowieso keiner …, dann hat dich keiner mehr lieb …, dann kommen wir beide ins Gefängnis …, dann kommst du ins Heim. …, dann machst du die Familie kaputt, dann stirbt dein Haustier …,“

 

Auch hier sorgt die Überlegenheit dafür, dass das Kind solche Drohungen oft glaubt. In Fällen, in denen der Täter bzw. die Täterin sich nicht sicher ist, ob das Schweigegebot hält, kann es durchaus vorkommen, dass das Haustier tatsächlich sterben muss oder aber der Täter bzw. die Täterin schlägt, um seinem/ihrem Wunsch Nachdruck zu verleihen.

 

Geschieht der Missbrauch in religiösem Kontext, bringen Täter bzw. Täterinnen den “lieben Gott” noch ins Spiel: Er hat z.B. ‘angeordnet’, gerade dieses Kind „für Sünden zu bestrafen“ oder aber Er lässt das Opfer fallen, wenn es darüber spricht.

 

Mädchen und Jungen, deren sexueller Missbrauch fotografiert oder gefilmt und verbreitet wurde

Das Gefühl der Erniedrigung und Beschämung der Opfer steigt, denn die Verbreitung der Missbrauchsabbildungen oder Missbrauchsfilme bedeutet im Klartext, dass der Missbrauch niemals endet. Betroffene leben bis ins Erwachsenenalter in der berechtigten Angst, dass das Film- und Bildmaterial noch im Umlauf ist und jemand sie erkennt.

 

Jeder Mensch, dem sie begegnen, könnte die Aufnahmen gesehen haben. Einmal ins Internet gestellt, sind die Daten nicht mehr rückrufbar. Es gibt keine Möglichkeit der Kontrolle, auf welchen Computer irgendwo in der Welt die Daten kopiert werden.

 

Anlaufstellen für Täter und Täterinnen:

Bei der DGfPI finden Sie eine Liste von Einrichtungen, die mit erwachsenen Sexualstraftätern arbeiten und eine Liste von Einrichtungen, die mit übergriffigen Kindern und Jugendlichen arbeiten.

„Kein Täter werden“ bietet Hilfe für Menschen mit pädophilen Neigungen.

Exkurs: Pädophilie

Anlaufstellen für Täter und Täterinnen:

Bei der DGfPI finden Sie eine Liste von Einrichtungen, die mit erwachsenen Sexualstraftätern arbeiten und eine Liste von Einrichtungen, die mit übergriffigen Kindern und Jugendlichen arbeiten.

 

Menschen die glauben eine pädophile Neigung zu spüren finden umfassende und anonyme Hilfe unter: www.kein-taeter-werden.de

 

Was ist Pädophilie?

 

In der „Internationalen Klassifikation der Krankheiten“ (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Pädophilie als „Störung der Sexualpräferenz“ aufgeführt und beschreibt die sexuelle Ausrichtung auf vorpubertäre Kinder. Pädophile Personen reagieren demzufolge sexuell auf Kinder und wünschen sich sozialen Umgang und Kontakt mit ihnen.

 

Mit Blick auf das konkrete sexuelle Verhalten gelingt es einem Teil der betroffenen Männer, seine sexuellen Impulse lebenslang auf der Fantasieebene zu belassen. Auf keinen Fall ist daher die Diagnose Pädophilie oder Hebephile (die sexuelle Ausrichtung auf pubertäre Kinder) mit sexuellem Kindesmissbrauch oder sexueller Ausbeutung durch Kinderpornografienutzen gleichzusetzen.

 

Dennoch muss bei Pädophilie davon ausgegangen werden, dass der Wunsch, Kinderpornografie zu nutzen und/oder sexuelle Kontakte zu Minderjährigen aufzunehmen zu Verhaltensimpulsen gehören, die aus der sexuellen Präferenz resultieren und einer lebenslangen Kontrolle bedürfen

 

Zuverlässige Daten darüber, wie groß der Anteil pädophiler Menschen in der Bevölkerung ist, gibt es bisher nicht. Eine Schätzung in Höhe von ca. einem Prozent scheint indes gerechtfertigt zu sein. Ausgehend von den für 2005 ermittelten ca. 30 Millionen Männern zwischen 18 und 75 Jahren wären das in Deutschland ca. 300 000 Pädophile.

 

Der Anteil der Frauen scheint nach bisherigem Kenntnisstand verschwindend gering zu sein. So haben sich z.B. im Rahmen des Präventionsprojektes Dunkelfeld an der Berliner Charité bisher nur zwei Frauen gemeldet; lediglich bei einer konnte tatsächlich eine Pädophilie diagnostiziert werden. Auch in der Forschungsliteratur werden nur wenige Einzelfälle pädophiler Frauen beschrieben.

 

Untersuchungen ergaben, dass nur 15% der wegen sexueller Übergriffe auf Kinder inhaftierten Männer alle diagnostischen Kriterien einer pädophilen Hauptströmung, ca. 25% die einer pädophilen Nebenströmung erfüllen. (Uni Regensburg, 2010)

 

Bei 60% der wegen sexueller Übergriffe auf Kinder inhaftierten Männer lässt sich keine Präferenzstörung im Sinne einer Pädophilie diagnostizieren.

 

Die Taten werden vielmehr als sogenannte „Ersatzhandlungen“ für eigentlich gewünschte (sexuelle) Interaktionen mit erwachsenen Partnern begangen, die aus verschiedenen Gründen nicht sozial adäquat realisiert werden können. Sie werden begangen, um ein Gefühl der Leere zu überwinden, als Kompensation für ein geringes Selbstwertgefühl, Stress, Depression oder soziale Isolation. (Müller, 2010)

Missbrauch durch Frauen

Jungen, die durch Frauen missbraucht werden, deuten die ihnen zugefügte sexuelle Gewalt häufig als „Einführung in die Liebe“ um. Sie prahlen dann z.B. damit, dass sie schon als 10-jährige mit einer erwachsenen Frau geschlafen hätten.

 

Dies ist für sie leichter, als sich einzugestehen, dass sie sexuell missbraucht wurden.

 

Bei Mädchen ist der Missbrauch durch Frauen noch weniger mitteilbar als der Missbrauch durch Männer. Da dies gesellschaftlich noch mehr tabuisiert ist, glauben die Betroffenen, dass ihnen das überhaupt nicht geglaubt wird. In Beratungssituationen werden Übergriffe durch Frauen zunächst verschwiegen, um zu testen, ob die Beratungsbeziehung auch tragfähig genug ist.
Tatsache ist, dass Frauen ebenso missbrauchen wie Männer, genauso strategisch vorgehen, die Handlungen sind ebenso gravierend und die Betroffenen schädigend,

Der derzeitige Forschungsstand geht von 10 – 20% Täterinnen aus. Wir wissen immer noch zu wenig über die Motive und Hintergründe, da sich die Forschung wie auch die Gesellschaft bei Fragestellungen Frauen als Täterinnen betreffend eher zurückhält.

Sexting: Die nackte Wahrheit, die Eltern wissen müssen

Was ist Sexting?

Das Wort setzt sich aus den Wörtern „sex” und „texting” (englisch für „simsen”) zusammen und bezeichnet das digitale Verschicken von sexuellen Inhalten wie Texte, Bilder aber auch Filme. Mittlerweile ist Sexting unter Jugendlichen sowie unter Erwachsenen sehr verbreitet.

Sexting ist aufregend und cool

Gerade in der Pubertät, in der sich Jugendliche mit den Fragen beschäftigen „Wie attraktiv bin ich?”, „Wie komme ich an?”, „Was sagen andere zu mir?”, „Und wie fühle ich mich dabei?” sehen sie im Sexting eine mögliche Art, sich auszuprobieren und viel über sich selbst und andere zu lernen.  Allerdings gehört eine Portion Mut dazu und natürlich ein großes Vertrauen in den Empfänger oder die Empfängerin der Nachricht. Für Jugendliche ist Sexting aufregend, cool und erscheint im ersten Moment als sicher: Man ist in einem geschützten Raum – bei sich zu Hause oder bei Freunden – macht nur ein Foto oder ein Filmchen und schickt es dann an seinen Schwarm. Da ist doch nichts dabei, oder?

Sexting ist ein großes Risiko

Es stimmt! Erst einmal ist nichts dabei, einer Freundin oder einem Freund ein sexy Bild zu schicken. Und doch geht jeder, der eine digitale Nachricht mit sexuellem Inhalt verschickt, ein sehr großes Risiko ein. Wenn ein Foto oder ein Film erst einmal per WhatsApp, Skype, Facebook o. ä. versandt wurde, verliert der Sender jegliche Kontrolle. Denn jeder, der diesen Inhalt in die Hände bekommt, kann ihn kopieren, verändern und verbreiten. Wirklich jeder! Das kann der Freund oder die Freundin sein, die einen schlechten Tag hat und das Foto einfach weiterverschickt oder jemand, der eifersüchtig ist, und sich nur mal einen kleinen Spaß erlauben will.

Wenn aus „Spaß“ Cybermobbing wird

Solche Späße laufen sehr schnell aus dem Ruder. Die Bilder oder Filme verbreiten sich in Windeseile in der Schule, im Ort, im Verein, überall. Oft werden sie gedankenlos einfach weitergeschickt nach dem Motto „Ist ja nur eine Nachricht.” Aber das stimmt leider nicht. Es ist viel mehr als das. Und jeder, der sich an der Verbreitung dieser Bilder oder Filme beteiligt, wird Teil des Cybermobs. In einigen Fällen gründen Kinder und Jugendliche sogar WhatsApp-Gruppen oder Facebook-Seiten, um das Mädchen oder den Jungen noch mehr in der Öffentlichkeit bloßzustellen. Die Betroffenen werden stark gemobbt. Nicht nur, dass nun jeder in ihrer Umgebung die privaten Bilder oder Filme kennt, sie bekommen dazu noch schreckliche Nachrichten auf allen Kanälen und zu jeder Tages- und Nachtzeit: SMS, WhatsApp- und Facebook-Nachrichten oder ganz altmodisch am Telefon. Und in der Schule zerreißen sich alle das Maul. Wenn Kinder und Jugendliche in eine solche Situation geraten, haben sie das Gefühl zu ertrinken. Sie fühlen sich einsam und allein. Sie schämen sich und wissen nicht, an wen sie sich wenden können.

Sexting und sexueller Missbrauch

Erwachsene oder ältere Jugendliche, die darauf aus sind, Mädchen und Jungen zu missbrauchen, handeln sehr gezielt und strategisch. Das Internet gibt ihnen die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche leicht kennenzulernen: Die Profile in den Sozialen Medien enthalten oft schon viele für sie interessante Informationen zu dem jeweiligen Jungen oder Mädchen, an die sie anknüpfen können. Sie freunden sich mit den Kindern oder Jugendlichen an und manipulieren sie mit dem Ziel, diesen Kindern und Jugendlichen ein Sexting-Foto oder -Film zu entlocken. In ihren Händen wird das Bild oder das Video dann zu einem Drohmittel: „Wenn du nicht machst, was ich dir sage, schicke ich das Bild an alle deine Freunde, an deine Familie und an die Schule.” Leider sind diese Täterinnen und Täter nicht leicht zu erkennen und als solche zu identifizieren. Hinzu kommt, dass es mittlerweile organisierte Banden gibt, die ähnlich vorgehen und damit Geld machen. Sie erpressen ihr Opfer, fordern eine Summe Geld für das Nicht-Veröffentlichmachen eines Sexting-Bilds oder -Films.

Der wichtigste Rat: Vorsichtig und clever sein

Die Bandbreite von Sexting ist sehr vielfältig. Sie reicht von „Ich probiere mich aus und will sehen, wie ich wirke“ bis hin zu wirklich schweren Verbrechen. Das bedeutet für Kinder, Jugendliche und natürlich auch für Erwachsene, dass das digitale Versenden von den beschriebenen Bildern oder Filmen mit großer Vorsicht zu genießen sein muss.

Sexting und Cybermobbing: Was kann ich tun?

Ihr Kind ist betroffen:

  • Bewahren Sie Ruhe. Seien Sie vor allem dankbar über das Vertrauen Ihres Kindes.
  • Seien Sie verständnisvoll und nehmen Sie die Sorgen ernst.
  • Bei Sexting: Verurteilen Sie nicht die sexy Selbstdarstellung, sondern das, was damit passiert ist, nämlich die Verbreitung durch andere.
  • Bei Sexting: Versuchen Sie herauszufinden, wie es zum Verschicken des intimen Bildes kam. Wurde eventuell Druck auf Ihre Tochter oder Ihren Sohn ausgeübt?
  • Nehmen Sie mit der Person, die das Bild oder die gemeine Nachricht als erstes verbreitet hat, Kontakt auf und vermitteln Sie, dass Sie rechtliche Schritte [1] einleiten werden. (Manchmal reicht schon die Drohung.)
  • Findet das Mobbing hauptsächlich oder auch nur in Teilen in der Schule statt, kontaktieren Sie die Lehrerinnen und Lehrer und holen sich gegebenenfalls Hilfe von außen.

Wenn Ihr Kind an der Verbreitung von Sexting-Bildern oder -Filmen anderer bzw. Cybermobbing beteiligt ist:

  • Weisen Sie Ihr Kind auf die mögliche Strafbarkeit des Handelns hin und bestärken Sie es zur Wiedergutmachung.
  • Bei Sexting: Fragen Sie genau nach: Wo ist welches Bild wann gelandet? Wie können die Bilder gelöscht werden?
  • Fordern Sie Ihr Kind überzeugend und bestimmt auf, alle Bilder die jemals verbreiten worden sind, auch von anderen, sofort zu löschen.
  • Bei Cybermobbing: Halten Sie Ihr Kind bestimmt an, sich bei dem betroffenen Mädchen oder Jungen zu entschuldigen und sich nicht mehr an Mobbing-Aktionen zu beteiligen.
  • Regen Sie eine Wiedergutmachung an und fordern Sie auch andere Eltern auf, es Ihnen gleich zu tun.

Hier finden Sie kompetente Hilfe:

Save me online
Bündnis gegen Cybermobbing
Hilfeportal Missbrauch
Nummer gegen Kummer Elterntelefon – Beratung bei Websorgen: 0800 111 0550 (anonym und kostenlos erreichbar)

(1) Hilfreiche Informationen rund um das Recht (abgerufen 18.08.2014)

 

(erschienen am 27.08.2014 bei „Gut zu wissen“, mit freundlicher Genehmigung von sofatutor)

Signale betroffener Mädchen und Jungen

Nicht alle Mädchen und Jungen, die sexuellen Missbrauch erleben, zeigen Verhaltensauffälligkeiten. Nur selten liegen körperliche Spuren vor, die zweifelsfrei auf sexuelle Gewalt hindeuten. Genauso wenig gibt es eindeutige Verhaltensänderungen, die anzeigen, dass ein Kind sexuell missbraucht wird.

 

Wenn sich ein Kind plötzlich (oder auch schleichend) anders verhält als gewohnt, sich z.B. von Freundinnen und Freunden zurückzieht, von einem Augenblick auf den anderen aggressiv wird, Albträume hat, keine Lust mehr auf seine Lieblingsspeisen oder Hobbys hat, ist das ein Zeichen dafür, dass es bedrückt ist und irgendetwas mitteilen möchte. Diese Verhaltensänderungen, die von erwachsenen Bezugspersonen auch immer mit Sorge wahrgenommen werden, können verschiedene Ursachen haben: z.B. die entwicklungsbedingte Trotzphase, der Schulwechsel, Pubertät, der Tod eines geliebten Großelternteils, Trennung der Eltern … .

 

Da sexueller Missbrauch aber als Teil des eigenen Lebens so fern ist, wird an diese Möglichkeit häufig gar nicht erst gedacht. Um herauszufinden, was los ist, muss ich mir die Zeit nehmen und mit dem Kind ins Gespräch kommen.

 

Oft machen Mädchen und Jungen, die sexuell missbraucht werden, versteckte Andeutungen. Sie haben plötzlich keine Lust mehr, zum Training zu gehen, mit dem Nachbarn zu spielen und übers Wochenende zum Onkel zu fahren, macht auch keinen Spaß mehr.

 

Werden ihre Anliegen übergangen und sie trotzdem zum Training oder zum Onkel geschickt, verlässt Mädchen und Jungen häufig der Mut, sich mit ihren eigentlichen Kümmernissen anzuvertrauen.

 

Wird dagegen genauer nachgefragt, was hinter der Lustlosigkeit steckt, erhalten Jungen und Mädchen eher die Möglichkeit, sich zu öffnen.

Was kann ich tun, wenn ich sexuellen Missbrauch vermute?

  • Ruhe bewahren

Die Vermutung eines sexuellen Missbrauchs löst vielfältige und oft widerstreitende Emotionen aus. Zunächst gilt es also Ruhe zu bewahren und die nächsten Schritte zu planen.

 

  • Wahrnehmung des Kindes bzw. des/der Jugendlichen

Nicht alle betroffenen Kinder und Jugendlichen zeigen Verhaltensauffälligkeiten. Nur selten finden sich z.B. auch körperliche Spuren. Daher gilt es auf eindeutige Verhaltensänderungen zu achten. Dabei ist es wichtig, die Verhaltensweisen als Strategie bzw. „Symptomsprache“ des Kindes oder des/der Jugendlichen zu verstehen.

 

  • Kontakt zum Kind bzw. Jugendlichen stärken

Seien Sie ein offener, interessierter und gesprächsbereiter Erwachsener. Je mehr Sie dem Kind bzw. dem/der Jugendlichen eine eigene Meinung und Bewertung zugestehen, desto leichter fällt es ihnen, ihre belastenden Geheimnisse zu offenbaren.

 

  • Beobachtungen notieren

Oft ist es hilfreich Beobachtungen zu Verhaltensänderungen stichpunktartig festzuhalten. Das dient zum Einen der inneren Klärung – also der Frage wie diese Veränderungen einzuordnen sind – und zum Anderen für eine spätere möglicherweise notwendige Dokumentation. Dazu gehört auch das Festhalten aller körperlichen, psychischen, sozialen, familiären Gegebenheiten und Veränderungen.

 

  • Austausch mit anderen

Sprechen Sie mit Kolleginnen und Kollegen über mögliche Verhaltensänderungen des Kindes oder des/der Jugendlichen.

 

  • Leitung informieren

Besprechen Sie die Vermutung mit der zuständigen Leitung und ggf. mit der zuständigen Fachberatung des Trägers Ihrer Institution (gemäß § 8a SGB VIII „Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung“).

 

  • Klären Sie Ihre Vermutung mit Hilfe einer Fachberatungsstelle

Dabei gilt es zu bedenken, dass alle Verhaltensauffälligkeiten durch eine Vielzahl von Ursachen begründet sein können. Eine davon ist ein möglicher sexueller Missbrauch. Es ist demnach wichtig, nicht zu früh zu interpretieren, aber gleichermaßen die Signale nicht zu bagatellisieren.

 

  • Weitere Schritte einleiten

Es ist wichtig die weiteren Schritte in Absprache mit der Fachberatungsstelle und der Leitung zu planen.

 

  • Wer hält den Kontakt zum Kind / Jugendlichen?
  • Wer spricht ggf. die Eltern an?
  • Wer wendet sich ggf. an das zuständige Jugendamt?
  • Wie verhält es sich mit der Möglichkeit einer Strafanzeige? Dabei ist wichtig zu wissen, dass Sie nicht zu einer Strafanzeige verpflichtet sind.

 

 

  • Denken Sie an Ihre Psychohygiene.

Seien Sie sich Ihrer Haltung und Ihrer persönlichen Grenzen bewusst. Niemand kann ein solches Problem alleine lösen!

Was kann ich tun, wenn sich ein betroffenes Kind anvertraut?

Wenn ein Mädchen oder ein Junge Ihnen einen sexuellen Missbrauch andeutet oder erzählt, können folgende Hinweise hilfreich sein:

 

  • Ruhe bewahren und möglichst sachlich reagieren.

Das Mädchen bzw. der Junge braucht jetzt einen Erwachsenen, der in Ruhe zuhört. Betroffene Kinder und Jugendliche sind mit Reaktionen wie Entsetzen und Panik überfordert. Kommen Äußerungen wie „Das ist ja entsetzlich“, „Da müssen wir sofort etwas tun“ oder „Den bring ich um“, nehmen betroffene Mädchen und Jungen ihre Berichte meist zurück.

 

  • Das Kind ernst nehmen.

In aller Regel verharmlosen Kinder und Jugendliche ihre Berichte eines Missbrauchs – oder sie verschweigen das Erlebnis ganz, um den Täter (die Täterin) und/oder die vertrauensvollen Bezugspersonen zu schützen.

Werden die Erlebnisse des Kindes heruntergespielt, wie z.B. „Ist ja halb so schlimm“ oder „Am besten, du vergisst alles ganz schnell wieder“, so stützt dies die Bewertung des Täters oder der Täterin.

 

  • Bohrende Fragen vermeiden.

Häufiges Nachfragen signalisiert dem Kind, dass ihm doch nicht geglaubt wird. Überlassen Sie es dem Mädchen oder Jungen, was und wann sie oder er erzählen möchte. Sie brauchen gar nicht viel zu sagen. Wichtig ist, dass sie für das Mädchen/den Jungen da sind.

 

  • Dem Kind nie die Mitschuld geben.

Sagen Sie dem Kind ausdrücklich, dass es keine Schuld hat. Die Verantwortung trägt immer der Täter oder die Täterin.

 

  • Die Gefühle des Kindes akzeptieren.

Betroffene Kinder haben beispielsweise das Recht, den Täter bzw. die Täterin trotz allem noch zu lieben.

 

  • Dem Kind keine Vorwürfe machen, dass es sich „erst jetzt“ anvertraut.

Loben Sie das Mädchen/den Jungen vielmehr für den Mut, jetzt zu sprechen. Sagen Sie dem Kind, dass das, was ihm passiert ist, auch anderen Kindern widerfahren ist.

 

  • Zeigen Sie sich als vertrauenswürdig.

Machen Sie keine Versprechungen, die Sie nicht halten können, keine falschen Hoffnungen oder voreilige Zusagen.

 

  • Holen Sie sich Hilfe.

Suchen Sie in jedem Fall Unterstützung in einer Beratungsstelle, um Ihre Gefühle und Gedanken zu sortieren und weitere Schritte zum Schutz des Mädchens/des Jungen zu planen.

Sind hauptsächlich Mädchen Opfer von Übergriffen und sexueller Belästigung im Netz?

Eine Studie der Universität zu Köln aus dem Jahre 2005 (Aggression, Gewalt und sexuelle Belästigung in Chatrooms. Eine Untersuchung der Chat-Kommunikation Jugendlicher im Alter zwischen 10 und 19 Jahren. Catarina Katzer, Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie, Köln 2005) hat ergeben, dass 38,2 % der 10-19-jährigen Chatter ungewollt sexuell angesprochen wurden.

 

Mädchen wurden häufiger „angemacht“ oder zu sexuellen Handlungen vor der Webcam aufgefordert, während Jungen häufiger berichteten, Fotos mit nackten Personen oder Pornos zugeschickt zu bekommen. Insgesamt haben aber nur 8% der betroffenen Mädchen und Jungen überhaupt irgendjemandem davon erzählt. Weil sie sich so sehr schämen.

 

Studien zufolge wird jedes vierte Mädchen und jeder siebte bis neunte Junge bis zum 18. Lebensjahr Opfer eines sexuellen Übergriffs. Das reicht vom Exhibitionisten bis hin zum schweren sexuellen Missbrauch. Eine Umfrage von SUB/WAY e.V. – einem Projekt der Berliner Jungs e.V. – ergab, dass jeder vierte Junge zu sexuellen Handlungen aufgefordert wurde.

 

Sexuelle Gewalt gegen Jungen
Jungen als Opfer sexueller Gewalt waren lange Jahre nicht im Blick der (Fach-) Öffentlichkeit.

 

Doch oft missbrauchen Täter bzw. Täterinnen mehrere Kinder parallel, wobei Mädchen als Opfer eher erkannt und Jungen leichter übersehen werden. Dementsprechend herrscht auch in den Köpfen der meisten Jungen vor, dass sexueller Missbrauch nur Mädchen betrifft. Die Opferrolle lässt sich für Jungen nicht gut mit dem eigenen Selbstbild vereinbaren, in dem Stärke, Kontrolle und Überlegenheit eine große Rolle spielen. Dieses Selbstbild ist Ergebnis der gängigen Vorstellungen, wie ein Junge zu sein hat.

 

Gerade Jungen, die ein traditionelles Jungenbild verinnerlicht haben, nach dem ein Junge nicht schwach sein darf, bringen sexuelle Übergriffe durch eine erwachsene Person völlig aus der Fassung. Sexueller Missbrauch ist für Jungen sehr verwirrend. Sie wissen nicht genau, was passiert, sie ekeln sich, haben Angst oder Schmerzen, verlieren die Kontrolle und fühlen sich ohnmächtig. All das darf einem Jungen angeblich nicht passieren. Gleichzeitig mögen sie den Missbraucher/die Missbraucherin, sie sind mit ihm oder ihr gerne zusammen.

 

Einige Jungen, die sexuell missbraucht werden, haben eine Erektion, denn auch in Angstreaktionen reagiert der Körper manchmal mit einem erregierten Penis.

 

Das heißt nicht, dass der Junge den sexuellen Missbrauch will oder gar genießt, doch der Täter bzw. die Täterin nutzt diese körperliche Reaktion, um dem Jungen aktives Mitmachen und Lust einzureden und zu unterstellen. Gegen diese „körperlichen Beweise“ hat der Junge keine Argumente und der Täter / die Täterin zieht die Geheimnis – Schlinge des „Du hast doch selber Spaß daran, das ist jetzt unser Geheimnis“ zu.

 

Viele Jungen tun alles, damit niemand ihre Not merkt. Dabei geht es ihnen oft schlecht. Sie wollen, dass der Missbrauch aufhört, wissen aber nicht, was sie machen sollen. Die meisten Jungen denken, sie müssten alles im Griff haben und trauen sich deshalb nicht, sich Hilfe zu holen. Doch haben sie viele Fragen und wissen nicht, wie es weitergehen soll.

 

Ist der Täter ein männlicher Jugendlicher oder ein Mann, der in einer scheinbar intakten Beziehung mit einer Frau lebt, fragt sich der Junge: „Bin ich etwa schwul, dass der sich von mir reizen lässt?“ Diese Ängste machen es für Jungen noch schwerer, sich Hilfe zu holen, denn auch Homosexualität ist ein Tabu, über das viele Erwachsene noch immer Schwierigkeiten haben zu sprechen.

Wie können Mütter und Väter betroffene Kinder unterstützen?

Auch wenn der sexuelle Missbrauch gestoppt ist, ist das Leiden nicht vorbei. Mädchen und Jungen, die sexuelle Gewalt erfahren haben, müssen sich meist noch lange mit den Folgen der Erlebnisse auseinandersetzen. Dennoch haben sie, wenn die Umwelt ihnen glaubt, sie schützt und in ihrem Heilungsprozess unterstützt, eine gute Chance, das Erlebte zu verarbeiten.

 

Das Kind bei der Bewältigung seiner extremen Gefühle begleiten

 

Mädchen und Jungen mit sexuellen Gewalterfahrungen brauchen einen geschützten Raum, in dem sie die Gefühle, die sie in der Missbrauchssituation erlebten und nicht ausdrücken durften, ausleben können. Eine solche Wiederbelebung der Gefühle ist nicht nur für die Mädchen und Jungen ein schmerzhafter Prozess. Auch für die Mütter und Väter ist es kaum auszuhalten, wenn sie mit ansehen müssen, wie ihr Kind z.B. nicht mehr aufhören kann zu weinen oder in der Nacht unter Panikattacken leidet. Nur wenn Mütter und Väter erkennen, dass das Durchleiden des Schmerzes der Weg der Heilung ist, können sie die Kraft entwickeln, ihr Kind auf diesem Weg zu begleiten.

Nach sexuellen Gewalterfahrungen fallen Kinder oftmals in ihrer Entwicklung zurück. Manche Selbstverständlichkeiten bereiten ihnen z.B. plötzlich fürchterliche Angst. Sie können plötzlich nicht mehr alleine im Raum schlafen, Fahrrad fahren, wollen nicht mehr ihre Freundinnen und Freunden besuchen oder in den Kindergarten gehen. Betroffene Mädchen und Jungen reagieren häufig mit einer für andere kaum nachvollziehbaren Heftigkeit auf alltägliche Situationen.

 

Das Misstrauen des Kindes akzeptieren

 

Für Erwachsene ist es kaum nachvollziehbar, dass die Kinder in ihrer Kontaktaufnahme zwischen zärtlicher Annäherung und aggressiver Abweisung hin und her schwanken. So ist es für Väter z.B. oftmals sehr schwer auszuhalten, dass sich ihre Töchter/ihre Söhne eine Zeit lang nicht mehr von ihnen berühren lassen, wenn sie von einem anderen Mann missbraucht wurden. Durch den Missbrauch wurde das Vertrauen des Mädchens/des Jungen in alle Menschen erschüttert. Durch ihr wechselndes Verhalten testen Kinder und Jugendliche aus, ob die Bezugsperson auch wirklich vertrauenswürdig ist. Manchmal dauert es Monate, bis die Beziehung für die Kinder wieder tragfähig ist.

 

Dem Kind Grenzen setzen

 

Sexuell missbrauchte Kinder haben erlebt, dass ihre eigenen Grenzen vom Täter/von der Täterin missachtet wurden. Oftmals bringen sie die erlebten Grenzüberschreitungen dadurch zum Ausdruck, dass sie sich selbst gegenüber ihrer Umgebung grenzüberschreitend verhalten. Sie tyrannisieren z.B. einzelne Familienmitglieder oder spielen sich im Kindergarten in extremer Art und Weise in den Mittelpunkt. Derartigem Folgeverhalten sexueller Gewalterfahrung müssen klare Grenzen gesetzt werden, ohne dass das Mädchen/der Junge dafür als Person verurteilt wird. Dies ist z.B. möglich, indem man dem Kind unmissverständlich erklärt, dass man dieses Verhalten bei niemandem akzeptiert, auch nicht, wenn jemand dem Kind gegenüber ein derartiges Verhalten zeigt. Reagieren Eltern „allzu verständnisvoll“, haben Mädchen und Jungen nur reduzierte Chancen, ihr Folgeverhalten zu überwinden. Sie erleben die Nachsichtigkeit zudem wie eine nachträgliche Legitimation der ihnen selbst zugefügten Gewalt: „Die sagen ja nichts dagegen, dann sind die ja auch damit einverstanden, dass der/die das mit mir gemacht hat.“ Erwachsene, die nicht in der Lage sind, ihren Kindern Grenzen zu setzen, werden von betroffenen Mädchen und Jungen als schwach erlebt. Sie bieten ihnen nicht die notwendige Zuverlässigkeit und Stärke, um ihnen bei der Bewältigung der Gewalterfahrungen helfen zu können.

 

Hilfe für sich selbst suchen

 

Wird ein Mädchen oder Junge sexuell missbraucht, so wird ebenso den Angehörigen des Opfers Leid zugefügt. Auch ihr Alltag wird durch die Folgen des Verbrechens extrem belastet. Sie müssen nicht nur den selbst erlebten Vertrauensbruch durch den ihnen bekannten Täter (die ihnen bekannte Täterin) verarbeiten. Das oft anstrengende Verhalten des Kindes verlangt von ihnen einen kaum zu leistenden Einsatz.

 

Eine positive Beziehung zwischen dem Kind und ihren nicht am Missbrauch beteiligten Müttern und Vätern ist eine wesentliche Unterstützung für den Heilungsprozess. Eltern brauchen daher Informationen, damit sie das Kind bei der Bewältigung der Gewalterfahrungen mit viel Verständnis und der notwendigen Klarheit unterstützen können.

 

Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, in einer Beratungsstelle abzuklären, ob eine therapeutische Hilfe für das betroffene Kind zum jetzigen Zeitpunkt angebracht ist und inwieweit die Eltern bzw. Angehörigen durch Beratung Unterstützung erfahren können.

Wo finden Betroffene Hilfe?

Betroffene Jugendliche können sich direkt und anonym an www.save-me-online.de wenden.

 

Erwachsene, die sich Sorgen machen, ein Kind das sie kennen wird möglicherweise missbraucht, finden kostenlos und anonym Hilfe beim Hilfeportal Sexueller Missbrauch unter 0800 – 22 55 530 bzw. unter www.hilfeportal-missbrauch.de

 

Auch bei unserer unabhängigen Beauftragten zur Aufbarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs unter 0800 22 55 530 oder www.sprechen-hilft.de finden sie Hilfe und Beratung.

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf sexuellen Missbrauch?